Empfehlungen

 

 

Pat´s Buchtipps

Ohrfeige

Khider, Abbas

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Erscheinungsjahr : 2016

EUR 19,90 inkl. MwSt.
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Karim kommt aus dem Irak und hat etwas mitzuteilen. Er hält eine Rede für Frau Schulz, seine Sachbearbeiterin bei der Ausländerbehörde, eine Hüterin der Gesetze, die ihm nie zugehört hatte. Ihm, dem Asylbewerber, der eine Odyssee hinter sich hat und dessen Weg noch nicht zu Ende ist. Und er hat etwas zu sagen – über den Schlepper, der ihn nicht bis Paris brachte, sondern in Bayern sich selbst überließ. Relativ schnell ergreift ihn die Polizei, Karim wird zum Illegalen und gleich mal dementsprechend behandelt…
Während er mehrere Unterkünfte in Bayern abklappern muss, streifen manche Flüchtlinge seinen Weg, die mal Freund, mal Feind werden. Gemeinsam versuchen sie einen Alltag hinzubekommen, abseits der Bürokratie und doch ständig präsent. Weit weg von einem „normalen“ Leben und gefangen in der Vergangenheit verharren sie wartend während die Gesetze sie zum Nichtstun verurteilen.
Abbas Khider schreibt mit viel Empathie über die Schicksale hinter den Flüchtlingen, bringt die menschliche Seite hervor – die viele Helfer von Caritas & Co werden ebenso erwähnt, wie verschrobene Geschichten im sozialen Miteinander. Die Charaktere sind authentisch dargestellt, sind Menschen wie du und ich, haben ihre Stärken, aber natürlich auch Fehler und Schwächen.
Der Autor schafft eine beeindruckende Geschichte, leider aktuell wie eh und je. Die Verzweiflung, die Warterei meint man als Leser zu spüren - und ständig allgegenwärtig ist die Ausgrenzung und Anfeindung.
„Zu gern wollten wir sein wie sie. Einkaufen, im Café sitzen, Getränke bestellen und mit einer der vielen jungen Kellnerinnen plaudern. Aber wie sollte das gehen? Wir standen mittendrin und doch waren wir meilenweit von all dem entfernt. Die Einheimischen gingen shoppen, wir wärmten uns an ihrem Leben.“
Der Schreibstil ist leicht und kurzweilig zu lesen. Das Buch fesselt und als Leser wechselt man hin und her zwischen schmunzeln, Kopf schütteln und Betroffenheit.
„Ich bin wie eine unerwünschte Reklame, die immer wieder in Briefkästen geworfen wird, obwohl überall ganz deutlich Aufkleber angebracht sind. Stopp! Keine Werbung bitte! ...“

Was will man dem noch hinzufügen?

 

Der Pfau

Bogdan, Isabel

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Erscheinungsjahr : 2016

EUR 18,99 inkl. MwSt.
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Lord und Lady McIntosh vermieten auf ihrem Anwesen in Schottland diverse Cottages an Feriengäste. Das große Anwesen beherbergt auch viele Tiere, unter anderem eine Pfauenherde. Einer der Pfauen spielt plötzlich verrückt und attackiert alles, was blau ist und macht auch vor den Autos der Feriengäste nicht halt.
Als sich eine Bankergruppe zum Teambuilding Training anmeldet und der Pfau sich ebenfalls an dem Auto der Chefin gütlich tut, greift Lord McIntosh zu der einzigen Lösung, die ihm in diesem schottischen Winter am nächsten kommt -er beseitigt den Pfau.
Das alles passiert schon auf den ersten Seiten. Was dieser - dann tote - Pfau allerdings dann ins Rollen bringt, ist wahrhaft filmreif.
Isabel Bogdan ist mit dieser Komödie ein wirklich außergewöhnlicher Roman gelungen, schon auf den ersten Seiten kam ich aus dem Lachen nicht mehr raus. Wundervoll beschreibt sie die wenigen Menschen, die sich in dieser Zeit auf dem Anwesen tummeln, die typische schottische und englische Wesensart, die vornehme Zurückhaltung und Reserviertheit, nur nicht zuviel preisgeben, möglichst wenig Gefühle zeigen und lieber etwas weniger erzählen als zuviel.

Die Flut an Verwicklungen zwischen Mensch und auch Tier, die durch den Pfau entstehen, werden nochmal hervorgehoben durch die indirekte Rede, in der das Buch geschrieben ist. Das alles ist wirklich rund von Anfang bis zum wirklich genialen Ende. Es waren keine Längen in der Geschichte, es passiert ständig etwas anderes und ich hätte auch noch weiterlesen können. Als Zuschauer am Rande alles zu wissen, was andere nur zum Teil bruchstückhaft erfahren in diesem - manchmal schwarzen - Humor, das war einfach nur unbeschreiblich.

 

So wüst und schön sah ich noch keinen Tag

LaBan, Elizabeth

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Erscheinungsjahr : 2016

EUR 16,90 inkl. MwSt.
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Als Duncan unter dem Tor der Irving School mit dem Motto „Tritt ein, um Freundschaft zu finden und zu schenken“ hindurch geht, beschäftigen ihn nur 2 Dinge: Welchen „Schatz“ wird er in seinem Zimmer finden? Und die Abschlussarbeit zum Thema Tragödie. Die Tradition der Schule verlangt, dass die letztjährigen Seniors ihren Nachfolgern einen „Schatz“ hinterlassen. Duncans Schatz besteht aus einem Stapel CDs, die sein Vorgänger Tim Macbeth für ihn besprochen hat. Zunächst enttäuscht und widerstrebend hört sich Duncan die erste CD an. Bald schon kann er sich der Faszination der Geschichte von Tim nicht mehr entziehen und wird ins vorige Schuljahr und zu einem tragischen Vorfall aus dieser Zeit zurückversetzt: Tim fällt alleine schon durch sein Aussehen als Albino auf und fühlt sich den Blicken anderer ausgesetzt. Nicht nur dass er mit seinem anfälligen Körper zu kämpfen hat, verfügt er über wenig Selbstvertrauen. Dadurch wird er zum Außenseiter, obwohl er sich nichts mehr wünscht als Anerkennung und Freundschaft. Als er Vanessa kennenlernt und sich in sie verliebt, will er mehr denn je dazu gehören. Doch Vanessa ist mit dem beliebtesten, aber recht oberflächlichen Senior Patrick zusammen. Bald schon setzt Tim mit seiner Verliebtheit Ereignisse in Gang, die er nicht mehr aufhalten kann und er trifft Entscheidungen, deren Tragweite er sich nicht bewusst ist. Duncan lässt sich durch Tims Geschichte von seinem eigenen Leben ablenken, auch wenn immer klarer wird, dass beider Leben durch eine „Katastrophe“ im vorherigen Schuljahr miteinander verknüpft zu sein scheint und Duncan am liebsten nur vergessen würde.

Elizabeth LaBan weiß zu unterhalten. Ihr Jugendbuch hat mich durchgängig gefesselt. Es bietet Humor, Drama, Tragödie und auch etwas fürs Herz. Teilweise versprüht es eine Leichtigkeit, teilweise bietet es aber auch Stoff zum Nachdenken. Eine außerordentlich gelungene Mischung. Ab 14

 

Auerhaus

Bjerg, Bov

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Erscheinungsjahr : 2015

EUR 18,00 inkl. MwSt.
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Anfangs sind sie zu viert. Vier 18jährige, die in ein altes Haus ziehen und eine Schüler-WG gründen um einen der ihren zu schützen. Frieder hatte versucht sich umzubringen, seine Freunde wollen nun auf ihn aufpassen. Es sind die 80er, die vier stehen kurz vorm Abi und sind auch froh endlich vom Elternhaus wegzukommen. Jeder von ihnen hat so seine ganz eigenen Probleme. Aus den vieren werden schnell sechs Bewohner und es sind gerade die großen Themen wie Klauen, Bundeswehr, Drogen, Suizid, Schwul sein, aber auch Verantwortung für den Nächsten und existenzielle Gedanken über das Leben an sich und wie es weitergehen soll, die die Bewohner des Hauses bewegt. Es geht um das erste Abnabeln von zu Hause, sich Erwachsen fühlen und erwachsen sein, um ein Miteinander, um Liebe und um Freundschaft, um Verantwortung.
Bov Bjerg hat diese kurze Geschichte des Miteinanders aus Sicht eines Erzählers geschrieben. 'Höppner', wie er von den anderen auch genannt wird, ist 18 Jahre alt und dem Autor ist es gelungen, die Gedanken und Gefühle des gerade volljährig gewordenen Mannes authentisch zu schildern.
'Seltsam waren die anderen in der Klasse. Die, für die alles weiterging wie immer. Hätte man sie vor einer Klausur gefragt: 'Wozu lebst du eigentlich?', hätten sie geantwortet: 'Das kommt nicht dran, das müssen wir nicht wissen!'. (S. 88)
Die Auerhaus-Bewohner (übrigens der Name leitet sich ab von einem Nachbarn, der den Song von Madness 'Our house' falsch versteht), versuchen zu leben. Jetzt und hier und mit all seinen Facetten, über die Stränge schlagen, einen Sinn zu finden, einen Weg in die Zukunft zu suchen. Mit reden, feiern, ausprobieren, wie weit man gehen kann.
Das alles spielt sich in den 80er ab und wenn man selber in dieser Zeit groß geworden ist, erkennt man vieles wieder, kommen Erinnerungen zurück.
Bov Bjerg lässt die Geschichte wie in Sequenzen erzählen, wie Schnappschüsse, aneinander gereiht, minimalistisch erzählt, viel Zeit um sich eigene Gedanken zu machen. Dennoch hat die Geschichte eine ungeheure Sogwirkung, wirkt es, als ob sich die Spirale immer schneller dreht, es immer weiter in den Abgrund geht. Man kann kaum aufhören zu lesen und auch das Ende ist realistisch erzählt.

Ein Buch, bei dem man am Ende die Deckel zuschlägt und die Geschichte einen noch weiter beschäftigt. Gelungen. Ungewöhnlich. Nachdenklich. Authentisch.

 

Das Haus des Windes

Erdrich, Louise

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Erscheinungsjahr : 2016

EUR 9,99 inkl. MwSt.
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Ausgezeichnet mit dem National Book Award für den besten Roman des Jahres war ich schon sehr gespannt auf 'Das Haus des Windes'. Schon nach den ersten Sätzen wusste ich, dass ich es mit einem besonderen Buch zu tun hatte.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Joe, der von einem Moment auf den anderen erwachsen werden muss. Seine Kindheit findet ein jähes Ende, als seine Mutter brutal vergewaltigt wird. Hervorragend gelingt es Erdrich die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit von Vater und Sohn zu vermitteln, die verzweifelt versuchen, sie ins Leben zurück zu holen. Aber wie soll das Leben nach einer solchen Tat normal weitergehen und wie soll sie jemals wieder die werden, die sie davor war? Wie Wände einreißen, deren Vorhandensein sie zwar sehen und spüren, aber nicht überwinden können? Denn schon auf den ersten Seiten wird deutlich, wie wichtig die Mutter ist und wie sehr der Tagesablauf alleine durch ihr Dasein strukturiert ist.

Frauen ahnen gar nicht, wie wichtig den Männern ihre Gewohnheiten sind. Ihr Kommen und Gehen senkt sich uns in jede Körperfaser, ihre Rhythmen in unser Knochengerüst. Unser Pulsschlag gleicht sich ihrem an, und wie an jedem Wochenende warteten wir darauf, dass meine Mutter uns auf den Abend einstimmte. Und deshalb stand ohne sie die Zeit einfach still.

Doch nicht nur die Bewältigung des Traumas steht im Fokus der Geschichte, sondern auch das Leben im Indianerreservat. Geradezu schockierend ist in dem Zusammenhang, dass es auf Grund des Territoriums des Verbrechens und der Unklarheit, in welchem Gebiet genau dieses geschah, zu einer folgenschweren Entscheidung kam. Einer Entscheidung, die Joe für immer verändern wird.

Erdrich erzählt schnörkellos, eindringlich, erzeugt an manchen Stellen Gänsehaut, ist intensiv, teilweise beklemmend, aber immer gefühlvoll und mit einer großartigen Sprache versehen. Das Ende ist einerseits ganz leise und dann wieder so laut, dass es mich Mitten im Herzen getroffen hat. So sehr, dass ich ein paar Sekunden brauchte, um aus der Buchwelt in meine Welt zurück zu kehren. 'Das Haus des Windes' ist eines dieser Bücher, die noch lange in einem nachhallen.

 

Marias Testament

Toíbín, Colm

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Erscheinungsjahr : 2015

EUR 8,90 inkl. MwSt.
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Dieser wunderbare und beeindruckende kurze Roman des irischen Schriftstellers Colm Toibin erzählt die Geschichte Jesu auf eine ganz andere Art, wie wir sie aus den Evangelien kennen, ohne deren Überlieferung zu verfälschen oder die dort berichteten Ereignisse auch nur einen Moment lang anzuzweifeln.

Erzählerin ist die Mutter Jesu, Maria, die viele Jahre nach dem Kreuzestod ihres Sohnes Jesus in Ephesus wohnt, wohin sie nach der Kreuzigung mit Hilfe einiger Jünger geflohen ist.

Seit einiger Zeit bekommt sie regelmäßig Besuch von zwei Männern, deren Auftreten und Verhalten sie als unverschämt empfindet. Sie wollen, indem sie Marias Erinnerung manipulieren, sie in die frühchristliche Legendenbildung um sein Leben und seinen Tod einbinden. Doch sie weigert sich, sich an Ereignisse und Fakten zu erinnern oder sie zu bestätigen, die es gar nicht gegeben hat. Stattdessen erinnert sie sich für sich selbst (und den von dieser Prosa ebenso begeisterten wie erschütterten Leser), wie sie das damalige Geschehen um ihren Sohn erlebt hat.

Als sie einen Hinweis erhält, die Verhaftung ihres Sohnes stehe kurz bevor, reist sie nach Kana, wo sie Jesus bei einer Hochzeit weiß, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen, nach Jerusalem zu gehen, in seinen sicheren Tod. Sie liebt ihren Sohn, hält wohl auch seine Wundertaten für real – sogar die Auferweckung des Lazarus wird ohne kritischen Unterton berichtet – doch das Gerede, er sei der Messias, nimmt sie nicht ernst. Im Gegenteil, je mehr Jesus in seiner Rolle als Prophet und Wundertäter aufgeht, desto fremder wird er ihr. Von der wachsenden Gruppe seiner Anhänger ganz zu schweigen. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie diese in ihrer großen Mehrheit für Spinner und Sektierer hält.

Und als die beiden Besucher gegen Ende des Buches noch einmal kommen, um sie mit ihrem Geschwätz zu quälen, da sagt sie etwas, was dieses Trauma, das sie bis an ihr Ende verfolgen wird, in Worte zusammenfasst:
„Ich war dort. Ich floh, bevor es vorbei war, aber wenn ihr eine Zeugin braucht, dann bin ich eine Zeugin, und wenn ihr sagt, dass er die Welt erlöst hat, dann sage ich, dass es das nicht wert war. Das war es nicht wert.“

 

 

Der tiefe Fall der Cecelia Price

Fiore, Kelly

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Erscheinungsjahr : 2015

EUR 14,95 inkl. MwSt.
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9783649619185

„Mein Bruder ist tot... Er atmet nicht mehr. Das ist meine Schuld. Ich habe das getan.“ Nachdem sie den Notruf abgesetzt hat, schweigt Cecelia hartnäckig. Selbst als sie in Untersuchungshaft auf ihren Prozess wartet. Darauf, dass entschieden wird, ob sie schuld an dem Tod ihres Bruders hat. Sie schweigt lieber, anstatt über das zu reden, was wirklich passierte. Darüber, dass ihr Bruder ein Junkie war und sich einen Dreck darum geschert hat, wem er das Leben versaut. Oder darüber, dass alle die Augen vor der Wahrheit verschlossen haben. Doch nur Cecelia weiß, was wirklich an jenem schicksalhaften Nachmittag passierte...

Nachdem sie ihre Mutter durch Krebs verloren hat muss Cecilia mit ansehen, wie ihr Bruder sein Leben wegwirft und den Drogen verfällt. Ihr Vater verschließt die Augen davor und will einfach nicht wahrhaben, dass sein Sohn sich zu Grunde richtet. Cece ist alleine mit ihren Problemen, darunter die Geldsorgen der Familie die zur Folge haben, dass sie ihr Wunschcollege nicht besuchen kann. Dazu kommt, dass ihr Freund, den sie wirklich liebt, nur mit ihr zusammen ist, weil sie ihm Drogen besorgen kann. Und so sinkt sie immer tiefer in einen Sumpf voller falscher Freunde und Kriminalität.
Erst durch den Tod ihres Bruders und die Therapie erkennt sie langsam, dass man nicht alles alleine ertragen kann, dass man Freunde braucht die einem helfen, das Erlebte und die Schuldgefühle hinter sich zu lassen um neu zu beginnen.

Ein Buch, das fesselt und noch lange nachwirkt.Ab 14

 

 

 

Nachruf auf den Mond

Filer, Nathan

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Erscheinungsjahr : 2015

EUR 19,99 inkl. MwSt.
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Manchmal beginnt man mit der Lektüre eines Romans, nur um festzustellen, dass man dieses oder jenes so oder so ähnlich schon öfter gelesen hat. Irgendwann denkt man sich, dass man sich mit diesem Umstand abfinden muss und stellt geringere Erwartungen an die nächste Lektüre. Möglicherweise kommt das einigen bekannt vor, ähnlich habe ich gedacht, bevor ich mit dem Lesen von „Nachruf auf den Mond“ von Nathan Filer begonnen habe. Doch dieses Buch hat mich überrascht und berührt, hat alle meine Erwartungen übertroffen.


Der Roman handelt von der Geschichte des 19-jährigen Matthew Homes, Patient einer psychiatrischen Klinik in Bristol, welcher aus der Ich-Perspektive seine Vergangenheit schildert, die ihn in die Psychiatrie gebracht hat. Mittelpunkt dieser Erzählung ist Simon, Matthews älter Bruder, der mit 11 Jahren bei einem Unfall während des Campingurlaubs der Familie in Cornwall starb. Auch zehn Jahre später gibt sich Matthew noch die Schuld am Tod seines Bruders, welchen Matthew immer noch hören und sehen kann, wenn er seine Medikamente absetzt… Denn Matthew leidet an Schizophrenie. Matthew richtet sich in seiner Erzählung ganz bewusst (und nicht immer freundlich) an den Leser und offenbart dabei einen großen Teil seiner Psyche („Das ist mein Leben. Ich bin neunzehn Jahre alt, und das Einzige, worüber ich in meinem Leben frei bestimmen kann, ist diese Geschichte und wie ich sie erzähle. Allein schon deswegen will ich es nicht vermasseln. Es wäre nett von Ihnen, wenigstens zu versuchen, mir zu vertrauen.“ S.75).
Der Leser erlebt einen klugen und sensiblen Protagonisten, der durch einen schrecklichen Schicksalsschlag und dessen Nachwirkungen aus dem Gleichgewicht gebracht wurde. Bereits der erste Absatz dieses Romans hat mich für ihn eingenommen, obwohl aus diesem kein unbedingt freundlicher, zugänglicher Mensch hervorgeht. Matthew macht häufig Gebrauch von Ironie, manchmal wird er sogar etwas zynisch, verhält sich ungerecht und dann wieder selbstlos. Häufig wirkt Matthew sehr abgeklärt und scheint Herr seiner Sinne zu sein (im Gegensatz zu den „Spinnern“, wie Matthew sie bezeichnet, in der Psychiatrie). Andererseits zeigt sich zwischenzeitlich immer wieder, wie Matthew durch seine Krankheit den Sinn für die Wirklichkeit verliert. Er ist zwiegespalten in seinen Empfindungen und seinem Verhalten. Das Verfassen seiner Geschichte scheint für Matthew seine ganz eigene Therapie zu sein, welche er mit den Worten „Ich muss aufpassen. Ich muss es sorgfältig auspacken, nach und nach, damit ich es schnell wieder zusammenfalten und einstecken kann, falls es mir zu viel wird.“ (S.19) beginnt und als symbolischen Akt in Form einer Blättersammlung in der Psychiatrie zurücklässt.

Ein großartiges Buch über die Trauer und ihre Auswirkungen auf eine Familie, ungewöhnlich und einzigartig erzählt und von Anfang bis Ende fesselnd. Eine ganz klare Leseempfehlung!

 

Es wird keine Helden geben

Seidl, Anna

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Erscheinungsjahr : 2014

EUR 14,95 inkl. MwSt.
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Es sollte ein Schultag wie jeder andere sein. Doch in der Pause verändert sich das Leben der fünfzehnjährigen Miriam schlagartig: Schüsse fallen. Ein Junge ihrer Parallelklasse läuft Amok. Miriam versteckt sich mit ihrer besten Freundin in einer Toilettenkabine, muss mitanhören, wie vor der Kabine ein Junge erschossen wird. Als sie sich auf den Gang hinauswagt, entdeckt sie ihren Freund Tobi schwer verletzt am Boden, für ihn kommt jede Hilfe zu spät. Nach Minuten, die wie Stunden erscheinen, ist alles vorbei. Nicht aber für Miriam, deren persönlicher Albtraum gerade erst begonnen hat…
Nach einem kurzen Prolog, in dem Miriam nachdenklich auf die Ereignisse zurückblickt, beginnt das Buch mit den schockierendsten Seiten, die ich seit langer Zeit gelesen habe: Aus Miriams Perspektive wird geschildert, wie sie den Amoklauf an ihrer Schule erlebt. Der eindringliche Schreibstil sorgte dafür, dass ich diese schrecklichen Minuten durch Miriams Augen hautnah miterlebte und nachvollziehen konnte, wie Miriam sich fühlen muss.
12 Seiten später ist alles vorbei, der Amoklauf ist beendet. Doch damit geht dieses Buch eigentlich erst so richtig los. Miriams Leben ist völlig auf den Kopf gestellt, das Gesehene und die Tatsache, dass ihr Freund tot ist, haben sie gänzlich aus der Bahn geworfen. Ohnmacht, Wut, Trotz, eine verzweifelte Suche nach Antworten – in den Tagen nach dem Amoklauf durchlebt Miriam die verschiedensten Gefühle. Wie stark haben die Ereignisse sie verändert? Und wie kann es für sie weitergehen? Wird sie ihren Weg zurück in den Alltag finden?
Nicht nur Miriams Gefühlswelt wird in diesem Buch eindringlich und berührend geschildert, sondern auch der Umgang mit ihrem Umfeld. Zum einen ist da Miriams Familie. Ihre Mutter hat die Familie vor Jahren verlassen und ist nun zurückgekehrt. Nun wird es für ihre Familie zur Herausforderung, einen richtigen Umgang mit Miriam zu finden, die wiederum Probleme damit hat, mit der Reaktionen ihrer Eltern umzugehen. Wie gehen Miriams Freunde mit dem Amoklauf um? Jeder reagiert hier völlig anders. Dies führt zu intensiven und auch sehr traurigen Szenen, die nicht spurlos an mir vorbeigegangen sind.
Dieses Buch wirft letztendlich eine Vielzahl an Fragen auf, die den Leser nachdenklich zurücklassen. Wie kann man mit seiner Trauer umgehen? Wer trägt die Schuld an einem Amoklauf? Wie weit geht man für Menschen, die man liebt? Wie wichtig ist es in so einer schweren Situation, seinen Freunden vertrauen zu können? Das sind nur einige der Fragen, die thematisiert werden und dafür sorgten, dass mir dieses Buch für lange Zeit nicht auf dem Kopf gehen wird.

 

 

Girl on the Train - Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich

Hawkins, Paula

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Erscheinungsjahr : 2015

EUR 12,99 inkl. MwSt.
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Rachel
Rachel fährt jeden Tag mit dem Zug in die Stadt. Jeden Tag fährt der Zug an 'ihrem Haus' vorbei! In 'ihrem' Haus wohnt jetzt eine andere Frau mit 'ihrem' Mann. Jeden Tag hält der Zug an der gleichen Stelle. Jeden Tag beobachtet Rachel ein Ehepaar. In ihrer Fantasie gibt sie ihnen Namen. Jess und Jason. Obwohl sie die Beiden nicht kennt, zaubert sie ihnen ein Bilderbuchleben auf den Leib.Rachel trinkt viel Alkohol. Im Zug, daheim, im Park und im Büro. Wenn sie betrunken ist, weiß sie oft nicht mehr was sie tut. Jeden Morgen wacht sie auf, mit einem Ekel auf sich selbst. Was hat sie am Tag zuvor getan? Wen hat sie angerufen? Der Alkohol und die daraus resultierenden Gedächtnislücken sollen ihr noch zum Verhängnis werden. Sie weiß nie, ob sie ihren Exmann angerufen hat. Ein Blick auf ihr Handy schafft Gewissheit. Sie liebt ihn noch immer und kommt mit der Situation nicht klar. Rachel entwickelt sich zu einer Stalkerin…

Megan
Megan ist eine sehr zarte Person. Sie leidet unter massiven Schlafstörungen. Ihr Mann Scott rät ihr einen Therapeuten aufzusuchen. Sie folgt seinem Rat. Ihre Ehe mit Scott ist eigentlich gut; jedoch kann Megan nicht treu sein. Sie muss sich selber immer wieder beweisen, dass sie für die Männerwelt interessant ist.
Scott neigt zu Jähzorn. Megan erlaubt es sich nicht mal selber, Angst vor ihm zu haben. Scott ist eifersüchtig und durchforstet Megans PC.
Megan war Inhaberin einer Kunstgalerie, die sie leider schließen musste. Ihren Alltag empfindet sie als trist und langweilig. Sie nimmt einen Job als Babysitterin an, der sie jedoch von Anfang an nervt.
Megan schleppt ein trauriges Geheimnis mit sich rum.
Megan verschwindet spurlos .

Anna
Anna ist die Ehefrau von Rachels Exmann Tom. Sie haben eine gemeinsame Tochter. Die kleine Evie ist sehr anstrengend. Tom stellt eine Babysitterin ein. Megan! Anna und Megan sind sich nicht sonderlich sympathisch. Eigentlich ist Anna immer anwesend. Megan fragt sich oft, warum sie als Babysitterin eingestellt wurde. Anna fühlt sich in dem Haus am Bahngleis nicht wohl. Die lauten Züge, die Möbel der Exfrau und die Belästigungen von Rachel machen sie zu einem Nervenbündel. Mal steht Rachel im Garten und beobachtet sie und Evie, oder terrorisiert die kleine Familie mit nächtlichen Anrufen. Megan kündigt. Anna ist darüber froh. Als Megan, die nur ein paar Häuser weiter wohnt, spurlos verschwindet, fühlt sich Anna noch unwohler .......

Paula Hawkins hat das Schicksal der drei Frauen eng miteinander verwoben. Nach Megans Verschwinden nimmt nicht nur die Polizei die Ermittlungen auf, auch Rachel versucht zu rekonstruieren, was an jenem verhängnisvollen Abendpassiert ist, denn sie selbst war betrunken und kann sich an nichts erinnern, hat aber eine Kopfverletzung. Sie stellt Nachforschungen an und gerät dabei in einen Strudel immer dramatischer werdender Ereignisse.

Super spannend, ich hab’s „in einem Zug“ gelesen!

 

 

Das Seelenhaus

Kent, Hannah

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Erscheinungsjahr : 2015

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Island, 1829. Agnes Magnúsdóttir erwartet die Todesstrafe: gemeinsam mit zwei anderen Bediensteten soll sie Natan Ketilsson, ihren früheren Meister und Liebhaber, grausam ermordet haben. Die Hinrichtung soll in Nordisland stattfinden, unweit vom Ort des Verbrechens. Doch noch wartet man auf die Bestätigung des Urteils vom Königshaus in Kopenhagen. So wird Agnes auf der abgeschiedenen Farm einer Bauernfamilie untergebracht, wo sie bis zu ihrer Exekution als Hilfskraft arbeiten muss.
Voller Furcht vor der verurteilten Mörderin und den Geschichten, die über sie kursieren, meidet die Familie Agnes anfangs. Nur Tóti, der junge Hilfspfarrer, der Agnes als christlicher Beistand zugewiesen wird, wird ihr zu einer Art Vertrauten. Nach und nach erfährt er, was sich in der Winternacht, in der Natan Ketilsson ermordet wurde und sein Haus einem Feuer zum Opfer fiel, wirklich zugetragen hat.
Ein durch und durch authentischer Roman um eine faszinierende, zutiefst menschliche Figur, mit der ich gelitten und bis zum Ende gebangt habe. Erzählt in einer glasklaren, poetischen Sprache, die die raue und ebenso unbarmherzige Schönheit der isländischen Landschaft einfängt. Und obwohl der Leser weiß, welches Schicksal Agnes am Ende des Buches erwartet, folgt man mit Spannung ihrer Geschichte. Man will unbedingt herausfinden, was die junge Frau mit dem düsteren Natan Ketilsson verband und was in der Nacht seines gewaltsamen Todes tatsächlich geschehen ist.
Die ungewöhnliche Geschichte von Agnes Magnúsdóttir, der letzten Frau, die in Island hingerichtet wurde. Hervorragend recherchiert, mitreißend und einfühlsam erzählt in einer wunderschönen Sprache.

 

 

Altes Land

Hansen, Dörte

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Erscheinungsjahr : 2015

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Distanziert und ein bisschen spröde - waren die ersten Eindrücke, die ich zu diesem Buch hatte. Ich mag solch schnörkellose Sprache recht gerne und so konnte ich mich von Anfang einlassen auf „Altes Land“. Manches muss genau so erzählt werden. Es dauerte nur wenige Seiten und ich war vollkommen gefangen von der Geschichte, in der neben Vera und Anne das Haus die eigentliche Hauptrolle spielt. Das Haus, das keine Fremden mochte. Das Haus, das ihnen aber dennoch eine Zuflucht bietet, den Flüchtenden, die dort stranden. Und gestrandet sind beide Frauen auf ihre ganz eigene Art.
S. 42 : „Sie war auf Ida Eckhoffs Hof gespült worden wie ein Ertrinkender auf eine Insel. Um sie herum war immer noch das Meer, und Vera hatte Angst vor diesem Wasser. Sie musste bleiben auf ihrer Insel, auf diesem Hof, wo sie zwar keine Wurzeln schlagen konnte, aber doch festwachsen an den Steinen, wie eine Flechte oder ein Moos. Nicht gedeihen, nicht blühen, nur bleiben.“
Annes Situation ist eine ganz andere, aber auch sie ist geflohen vor einem Leben, das sie nicht mehr wollte: „Das Problem war ihre Wut. Rasende schäumende Wellen, riesige Brecher, Kaventsmänner. Ein Weltmeer von Wut und in ihrem Schiff ein Leck“ (S. 50) Derart kraftvoll und gleichzeitig behutsam erzählt Dörte Hansen die ganze Zeit. Viele Sätze sind ungeheuer eindringlich, dass sie unter die Haut fahren, ein langanhaltendes Kribbeln auslösen und manchmal sogar Tränen auf die Reise schicken.
Jedes Kapitel ist mit einer eigenen Überschrift versehen, die meistens aus ein oder zwei Worten bestehen und passender nicht sein könnten. Anfangs wird abwechselnd aus der Sicht von Vera und Anne erzählt und der unterschwellige Humor zauberte mir oft ein Grinsen ins Gesicht. In jedem Kapitel gibt es Besonderheiten zu entdecken. Makabre, humorvolle, traurige und ganz besonders rührende, die so herrlich unkitschig sind und Gänsehaut machen
Zwischen den Zeilen werden noch viel mehr Themen angesprochen wie die Eifersucht unter Geschwistern, Sterbehilfe, fehlende Mutterliebe … um nur ein paar zu nennen. Und alles auf eine wunderschön behutsame Art und Weise, die mich ganz zart berührt hat.
Ich habe mich voll und ganz eingelassen auf die Geschichte aus dem alten Land und schon lange habe ich Sprache nicht mehr so genossen wie in diesem Buch. Ja, ich habe mich rettungslos verliebt in dieses Buch, in die wundervolle Sprache und den knochentrockenen Humor.

 

 

Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid

Backman, Fredrik

Nicht mehr erhältlich.

Erscheinungsjahr : 2015

EUR 19,99 inkl. MwSt.
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Nach dem „Mann namens Ove“ gibt es nun eine weitere spritzige und lustig amüsante Geschichte vom Autor Fredrik Backman:

Oma lässt grüssen und sagt, Es tut ihr leid !!!

Das Buch ist gegliedert in 34 Kapitel, die jeweils mit der Kapitelzahl und einem knackig passenden Wort zum Kapitel überschrieben ist.

Es geht um die Oma, sie ist 77 Jahr – Ärztin – und chaotisch veranlagt. Ihre Nachbarn haben es nicht leicht mit ihr …

Elsa ist 7 Jahre – sie liebt Wikipedia und Oma ist ihre Freundin. Oma kann soooo gut Märchen erzählen, Elsa hört gern zu ….

Doch dann passiert etwas …

Mehr möchte ich gar nicht verraten …

Eines steht fest, das Buch ist einfühlsam und fantasievoll geschrieben. Es hat mich begeistert und immer wieder gegangen genommen. Die Schreibweise des Autors hatte mir schon sehr gut gefallen beim ersten Buch, nun ist sie fast noch einen Schritt ausgereifter, man spürt, dass der Autor hinter dem steht, was er schreibt, dass er sich Gedanken gemacht hat – dass ihm seine Figuren ans Herz gewachsen sind …

Leseprobe:
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„Papa, glaubst du an Gott?“, fragt Elsa auf eine Art, wie einen Wasserbomben überraschen, die jemand plötzlich von einem Balkon wirft. Elsa weiß das, denn Oma liebt Wasserbomben, und Papa hat immer wieder vergessen, daran zu denken, sich nicht direkt unter ihrem Balkon aufzuhalten. „Ich weiß nicht“, antwortet er. Elsa hasst ihn dafür, dass er keine Antwort auf ihre Frage hat, aber liebt ihn ein bisschen dafür, dass er sie nicht anlügt. …

Mir hat besonders gut gefallen, dass sie unterhaltsam ist und kurzweilig, lustig und amüsant, aber dennoch mit viel Nachdenklichem auch zwischen den Zeilen – herzlich und auch immer wieder überraschend.
Absolut empfehlenswert !!!

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Mind Games

Terry, Teri

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Erscheinungsjahr : 2015

EUR 17,95 inkl. MwSt.
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'Die Welt, in der du lebst, existiert nur in deinem Kopf – doch was, wenn jemand mit deinen Gedanken spielt?'


In Lunas Leben ist jeder online: virtueller Unterricht, Dates und Sport als Avatar, sogar das Parlament tagt digital. Nur Luna bleibt offline. Sie ist eine Verweigerin, seit ihre Mutter vor Jahren in einem ONLINE-SPIEL starb. Umso überraschter ist Luna, als sie von der mächtigen Firma PareCo zu einem Einstufungstest eingeladen wird – und einen der begehrten Programmierer-Jobs erhält. Warum hat die Firma so ein großes Interesse an ihr? Als Luna den begabten Hacker Gecko kennen lernt, beginnt sie die von PareCo erschaffene Welt immer mehr zu hinterfragen. Doch dann ist Gecko auf einmal verschwunden, und Luna kann sich nicht mehr an ihn erinnern …'

Ein wirklich fesselnder Roman, der mit den Vorstellungen von Utopie und Dystopie spielt und anschaulich vor Augen führt, wie die Suche nach der Wahrheit alles verändern kann. Luna ist ein eigenwilliger Charakter mit vielen Geheimnissen und lebt dementsprechend zurückgezogen. Sie ist abgekapselt vom Rest der Welt durch ihre Verweigerung und kann deshalb der Chance, die sich ihr bietet, nicht widerstehen. Ihre Handlungen und Denkweisen sind verständlich dargestellt und man kann sich sehr gut in sie hineinversetzen. Auch die Geschichte rund um das Unternehmen PareCo, die virtuellen Welten und deren Einfluss auf die Menschen ist sehr durchdacht und verständlich präsentiert. Zwar braucht man am Anfang einen Moment, um in das Konzept einzutauchen, doch dann wird es interessant und durch die Entwicklung der Geschichte auch spannend. Die Neugier wird geweckt und zusammen mit Luna und Gecko werden neue Seiten entdeckt, die zum Nachdenken anregen, was dahinterstecken könnte. Es wird von Seite zu Seite fesselnder, sodass man das Buch zum Ende hin gar nicht mehr aus der Hand legen mag. Ab 14

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STRAFE

Polanski, Paula

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Erscheinungsjahr : 2015

EUR 19,99 inkl. MwSt.
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In dem neuen Roman „Strafe“ von Hakan Nesser, den er zusammen mit der deutschen Publizistin Paula Polanski geschrieben hat, begegnen wir dem zweiundsechzigjährigen Schriftsteller Max Herrgott Schmeling. Am fünften September 2013 erhält er über seinen Verlag einen Brief seines früheren Klassenkameraden Tibor Schittkowski, dem er wahrscheinlich vor fünfundvierzig Jahren das letzte Mal begegnet ist. Tibor schreibt, dass er ihm (Max) zweimal das Leben gerettet habe, dass er seine Hilfe brauche und, …“es gibt da etwas, was ich noch in Angriff nehmen muss. Und dabei brauche ich deine Hilfe . (S. 10) Max erinnert sich, dass er Tibor nicht besonders mochte. Wegen seines ungewöhnlichen Nachnamens wurde er früher von einigen Leuten Scheißhaufen genannt. „Und so kommt es, dass er eine gute Stunde später mit dem sterbenden Scheißhaufen Tibor Schittkowski vereinbart, sich mit diesem in dessen Zuhause im früheren Pokerwald in Gimsen zu treffen.“ (S. 19) Max begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit, an deren Beginn er von Tibor herzlich empfangen wird. Tibor ist an ALS erkrankt und sitzt im Rollstuhl. Er hat für Max einen Bericht über sein Leben verfasst, und wenn er ihn gelesen hat, teilt Tibor ihm mit, um was es ihm geht und wofür er einen Helfer braucht. Max ahnt da noch nicht, dass nach der Lektüre dieser fünfzig beschriebenen DIN-A4-Seiten sein Leben vollkommen aus der Bahn gerät.Der Roman „Strafe“ von Hakan Nesser & Paula Polanski ist hervorragend. Er besticht durch Intelligenz, eine verzwickte Handlung und interessante Wendungen. Nesser führt den Leser über mehrere Kapitel auf eine falsche Fährte, stellt Fallen und zeigt wieder einmal, dass er ein Garant für anspruchsvolle Literatur ist. 'Strafe' ist mehr ein Rätsel, eine Detektivgeschichte, und die Auflösung dieses Rätsels ist der Beginn der Geschichte. Es geht auch um die großen Enttäuschungen des Lebens, die man anderen, ob nun bewusst oder unbewusst, mit seinen Entscheidungen zufügt. Dass daraus ein großes Potential an Rachegedanken entstehen kann, lernt der Protagonist am eigenen Leib kennen. Nesser ist ein hervorragender Menschenkenner, der in die Abgründe der menschlichen Seele blickt. Und wer ist nun Paula Polanski? Warum möchte sie anonym bleiben? Sie bleibt lange anonym. Ein Geniestreich, den man am Ende des Buches erkennt. Unbedingt lesen!

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Das Blubbern von Glück

Jonsberg, Barry

sofort lieferbar

Erscheinungsjahr : 2014

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'In meiner Familie wird nicht genügend gelacht. Alles Lachen verflüchtigte sich, als meine Schwester starb. Ich weiß zwar nicht, wie ich die Leute zum Lachen bringe, möchte es aber weiterhin tun. Allerdings kann Lachen, auch wenn es die beste Medizin ist, nicht den Krebs heilen, der meiner Mutter die Brüste genommen hat. Es kann nicht den plötzlichen Kindstod rückgängig machen, es kann keine Depressionen heilen und auch nicht die Verbitterung in den Herzen zweier Brüder. Es kann uns nicht in die Zeit zurückversetzen, als alles gut war.' (S.111)

“Am Sonntag werde ich dreizehn. Ich freue mich darauf. Zwölf scheint sehr jung, wohingegen dreizehn die Schlussfolgerung zulässt, dass man seine Lehrjahre als Kind beendet hat und jetzt Teenager-Sachen mach kann, ohne als Hochstapler zu gelten.” (Seite 114)

Hier kommt Candice Phee! 12 Jahre alt, wunderbar ehrlich und ein bisschen ... anders. Und auch wenn viele sie nicht auf Anhieb verstehen – Candice hat ein riesiges Herz. Sie ist entschlossen, die Welt glücklich zu machen. Nur leider ist das gar nicht so einfach ...
Denn wohin Candice auch sieht – an jeder Ecke lauert das Unglück. In ihrer Familie, die früher vor Glück geblubbert hat, spinnt sich neuerdings jeder in seinem eigenen Leid ein. Ihr superkluger Freund Douglas Benson versucht seit Langem vergeblich, in eine andere Dimension zu reisen. Und ihr Haustier, Erdferkel Fisch, hat womöglich eine ernsthafte Identitätskrise. Candice macht sich ans Wunderwerk, um jedem Einzelnen von ihnen zu helfen. Und wie sie das schafft und zum Schluss wirklich jeder um sie herum ein dickes Stück glücklicher ist, das ist das Allerwunderbarste an ihrer Geschichte

Aus manchen Büchern blubbert das Glück heraus und man kann es förmlich spüren - zum Beispiel im zuckenden Mundwinkel oder durch das warme Gefühl, das sich langsam im Bauch ausbreitet. 'Das Blubbern von Glück' verspricht schon mit dem Titel ebendieses Gefühl auszulösen und genau das schafft es auch innerhalb von knapp zweihundertfünfzig Seiten mit einer herrlich skurrilen und gleichzeitig so herzerwärmenden Geschichte, die definitiv nicht nur Kinder zum Lachen und Lächeln bringt. Mit harmonischer Eindringlichkeit, viel Echtheit und Herzenswärme erzählt Candice von ihrem Leben von A - Z und ist dabei knallhart ehrlich und aufmerksam. Und sie sieht die Welt mit anderen Augen - mit den Augen eines Kindes, das alle Menschen glücklich sehen möchte und über schlechte Eigenschaften völlig hinwegsieht. 'Das Blubbern von Glück' blubbert wirklich nur so vor Glück, bleibt aber auch auf dem Boden der Tatsachen und beschäftigt sich mit einer faszinierenden Leichtigkeit (ohne dabei seinen Ernst zu verlieren, ganz im Gegenteil!) mit schweren Themen.

'Das Blubbern von Glück' ist ein Buch fürs Herz. Eine Geschichte so wie das Leben: skurril, aufregend, niedlich, unglücklich, glücklich, schön, grau und bunt. Gemeinsam mit der zwölfjährigen und einzigartigen Candice lernt man, die Welt mit anderen Augen zu sehen, hinter die Dinge zu blicken und diese riesige Aufgabe namens Leben anders anzugehen als zuvor.

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Die Erfindung der Flügel

Kidd, Sue Monk

sofort lieferbar

Erscheinungsjahr : 2015

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Sarah Grimké wächst als Tochter eines Plantagenbesitzers Anfang des 19. Jahrhunderts in Charleston/South Carolina auf. Das Mädchen entdeckt schon früh die Welt der Bücher für sich und ihr größter Wunsch ist es, einmal Anwältin zu werden. Unmöglich für eine Frau der damaligen Zeit. Entsetzt reagiert Sarah, als sie zu ihrem elften Geburtstag die um ein Jahr jüngere Sklavin Hetty „Handful“ als Geschenk erhält. Für Sarah ist es nicht vorstellbar, einen Menschen zu besitzen. Um ihrem „Geschenk“ wenigstens etwas an Freiheit zurück zu geben, bringt sie ihm das Lesen bei. Doch dieses Vergehen bleibt nicht lange verborgen und wird schwer geahndet. Doch Sarah kämpft weiter, weiß sie doch, dass noch eine ganz besondere Aufgabe in ihrem Leben auf sie wartet.
Sue Monk Kidd erzählt in ihrem wundervollen Roman die Lebensgeschichte der Grimké-Schwestern Sarah (1792 – 1873) und Angelina (1803 – 1879). Sie waren die ersten Frauen in den Vereinigten Staaten, die sich öffentlich für die Abschaffung der Sklaverei einsetzten. Sie erhielten viel Aufmerksamkeit und Unterstützung, aber auch Häme und Anfeindungen.
Eindringlich, warmherzig und absolut mitreißend schildert die Autorin den Kampf von Sarah und später auch ihrer Schwester Angelina gegen die Sklaverei. Das Leben mit all seinen Facetten und Emotionen wird erzählt. Trauer, Wut, Angst, Fassungslosigkeit, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Unmenschlichkeit, alles hat hier seinen Platz und trifft genau ins Herz.

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Das Rosie-Projekt

Simsion, Graeme

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Erscheinungsjahr : 2016

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Selten genug ist einem Buch schon lange vor seinem Erscheinen der Weg zum Bestseller in die Wiege gelegt worden! Das hier ist ein solches Buch, das ohne jeden Zweifel die Hitparaden der Literaturbarometer und auch, zu einem späteren Zeitpunkt, die Kassen der Kinos klingeln lassen wird! Mein Wort darauf!

Was soll ich zu so einem herzlichen, warmen, romantischen, berührenden, sprühenden, spannenden Buch sagen? Dass es ein wirklich guter Roman geworden ist, der uns eine volle Dosis Empathie abgibt, der nie langweilig wird, der uns mit den beiden Hauptpersonen leben und vibrieren lässt! Dass es eine verzaubernde, frische Liebesgeschichte ist, die uns den Menschen Don Tillmann lieben lässt, und Liebe ist Freude und in diesem Buch gibt es so viele freudige, komödienhafte Situationen, dass man aus dem Lächeln nicht mehr herauskommt

Don Tillmann ein australischer Professor, 40, hochintelligent, etwas verschroben, etwas sehr pedantisch, sucht die Frau seines Lebens und hat dafür in wissenschaftlicher Manier eine 17-seitige Checkliste aufgestellt, um die Frau seines Lebens zu finden. Mindestens 100 Kriterien hat sie zu erfüllen, ebenso viele sollte sie keinesfalls haben. Es kommt, wie es kommen muss: er trifft die Barfrau Rosie, die eigentlich genau das Gegenteil von all seinen sorgfältig erarbeiteten Kriterien ist und somit nicht als mögliche Partnerin in Frage kommen kann. Dafür weckt die rothaarige, liebenswerte Chaotin sein wissenschaftliches Interesse, denn sie möchte ihren biologischen Vater finden. Für diese präzise Aufgabe kommen Dons Kenntnisse als Genetiker gerade recht und er unterstützt Rosie in diesem Projekt. Bald merkt er jedoch, dass es eine andere Welt außerhalb der beweisbaren Fakten gibt und gerät in einen Strudel der Logik, die sein ganzes Leben auf den Kopf stellt. Die Situationen, in der er mit und durch Rosie hineinstrauchelt, sind voller Komik und an manchen Stellen weiß man nicht, ob man eine Träne des Lachens oder des Mitgefühls aus dem Augenwinkel wischen muss.
Ein schalkhafter Liebesroman, ein literarisches Ereignis mit einem extrem hohen Unterhaltungswert, den ich nur wärmstens empfehlen kann!

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Der Zug der Waisen

Kline, Christina Baker

Nicht mehr erhältlich.

Erscheinungsjahr : 2014

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'Orphan Trains' nannte man die Eisenbahnzüge, mit denen man zwischen 1854 und 1929 mehr als zweihunderttausend heimatlose, verlassene Kinder aus den Städten der Ostküste in den Mittleren Westen transportierte, um sie dort zur Adoption anzubieten. Sie fuhren im Auftrag der Children's Aid Society und vermittelten den Waisen eine neue Bleibe. Fremde Menschen, die Willens waren, sich ihrer anzunehmen - aus welch' zweifelhaften Motiven auch immer.

Auch Niamh Power befand sich in einem solchen Zug. Das neunjährige Mädchen, Tochter irischer Emigranten, hatte Schwester und Eltern bei einem Brand verloren und fuhr nun, das Herz voll banger Erwartung, einem ungewissen Schicksal entgegen. Es war eine Herde entwurzelter Geschöpfe, mit angstvollen, blassen, sauber geschrubbten Gesichtern, die auf Holzbänken zusammengepfercht saßen und von zwei bestellten Begleitern in eine Zukunft geführt wurden, in der Verzicht, Arbeit und mangelnde Liebe auf sie warteten. Ein Nichts waren sie, ohne Bedeutung für irgendjemanden, wurzellose Kinder, deren Namen man manches Mal ohne zu zögern einfach veränderte, wenn ihr eigener zu ungewöhnlich klang.

Christina Baker Kline hat einen tief bewegenden Roman geschrieben. Ihre Thematik des geschichtlichen Hintergrundes, von der ich auch selbst noch nie gehört, hatte ist unglaublich bewegend gewesen. Sie versteht es durch ihre feinfühligen, intensiven Schilderungen die verzweifelte Lage der hilflosen Kinder greifbar nahe an den Leser heranzubringen.

Ich habe das Buch in einem Rutsch durgelesen.

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Ich und die Menschen

Haig, Matt

vergriffen

Erscheinungsjahr : 2014

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Professor Andrew Martin hat es geschafft. Er hat eines der größten mathematischen Rätsel gelöst. Er hat die Riemannsche Vermutung bewiesen!
Leider sind die Vonnadorianer - eine wesentlich höher entwickelte Lebensform von ganz weit, weit, weit weg - der Ansicht, die Menschheit ist nicht bereit für einen derartigen technischen Fortschritt. Deshalb wird Professor Martin zum Wohle des Kosmos entführt und an seiner statt wird unser Ich-Erzähler auf die Erde geschickt um alle Informationen darüber auszulöschen. In Andrew Martins Körper landet er nackt auf unserem Planteten und versucht sich zu orientieren.
Die ersten Erkenntnisse, die er auf der Erde sammelt, sind teilweise zum schmunzeln und lachen, aber immer treffend und Matt Haig lässt hier keine unserer menschlichen Schwächen aus. Er schreibt zum Beispiel: „Die Erde war, wie mir später klar wurde, ein Planet der verpackten Dinge. Nahrung in Folie. Körper in Kleidung. Verachtung in Lächeln.“
Professor Andrew Martin war wohl kein besonders sympathischer Mensch. Als Workaholic hat er sich kaum um seine Familie gekümmert und seine Frau hat er mit einer Studentin betrogen. Was ihn Antrieb war Ruhm und Anerkennung.
Der Auftrag des neuen Andrew lautet alle zu eliminieren, denen der Professor von seiner Entdeckung erzählt hat und alle Dokumente darüber zu vernichten.
Ausgestattet mit allerlei telepathischen Gaben scheint es ein einfacher Auftrag und zu töten um dem großen Ganzen zu dienen erscheint ihm moralisch gerechtfertigt.
Womit er nicht gerechnet hat, ist Liebe und Fürsorge zu spüren. In seiner Welt gibt es keinen Schmerz, kein Leid und auch keine Sterblichkeit. Dafür gibt es auch kein echtes Glück. Eigentlich gibt es gar keine Emotionen. Der neue Andrew entdeckt dadurch den Wert des menschlichen Lebens und entscheidet sich gegen seine Unsterblichkeit um ein emotionales und endliches Leben zu führen. Er zerstört den Kontakt zu seiner Heimat und verliert dadurch seine Gaben. Aber einfach Andrews Leben zu führen funktioniert auch nicht und somit entschließt er sich „seine Familie“ zu verlassen. Eine Weile führt er ein sehr einsames Leben bis er erkennt: „Aus irgendeinem Grund hatte ich gedacht, ich könnte einfach so weitermachen, mich immer nach vorn zu bewegen und dabei derselbe bleiben. Aber ich war nicht mehr dieses Ich. Ich war jetzt ein Mensch und Menschen verändern sich. Das ist ihre Methode zu überleben – indem sie Dinge tun, wieder rückgängig machen und wieder tun.“
Deshalb nimmt er wieder Kontakt auf zu „seiner Familie“ um hoffentlich doch noch ein erfülltes Erdenleben zu führen.
Für mich war das eine wunderbare Geschichte. Ich liebe diesen Blick von außen, mit dem Matt Haig uns Menschen beschreibt und man kann sich in diesem Roman perfekt wiederfinden. Man kann auch daraus lernen, dass alles halb so schlimm ist denn, „eine Tragödie ist nur eine Komödie, die noch nicht ganz fertig ist. Eines Tages lachst du darüber.“
Und zum Lachen hat mich dieses Buch gebracht!

 

 





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