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Pat´s Buchtipps

Karim kommt aus dem Irak und hat etwas mitzuteilen. Er hält eine Rede für Frau Schulz, seine Sachbearbeiterin bei der Ausländerbehörde, eine Hüterin der Gesetze, die ihm nie zugehört hatte. Ihm, dem Asylbewerber, der eine Odyssee hinter sich hat und dessen Weg noch nicht zu Ende ist. Und er hat etwas zu sagen – über den Schlepper, der ihn nicht bis Paris brachte, sondern in Bayern sich selbst überließ. Relativ schnell ergreift ihn die Polizei, Karim wird zum Illegalen und gleich mal dementsprechend behandelt…
Während er mehrere Unterkünfte in Bayern abklappern muss, streifen manche Flüchtlinge seinen Weg, die mal Freund, mal Feind werden. Gemeinsam versuchen sie einen Alltag hinzubekommen, abseits der Bürokratie und doch ständig präsent. Weit weg von einem „normalen“ Leben und gefangen in der Vergangenheit verharren sie wartend während die Gesetze sie zum Nichtstun verurteilen.
Abbas Khider schreibt mit viel Empathie über die Schicksale hinter den Flüchtlingen, bringt die menschliche Seite hervor – die viele Helfer von Caritas & Co werden ebenso erwähnt, wie verschrobene Geschichten im sozialen Miteinander. Die Charaktere sind authentisch dargestellt, sind Menschen wie du und ich, haben ihre Stärken, aber natürlich auch Fehler und Schwächen.
Der Autor schafft eine beeindruckende Geschichte, leider aktuell wie eh und je. Die Verzweiflung, die Warterei meint man als Leser zu spüren - und ständig allgegenwärtig ist die Ausgrenzung und Anfeindung.
„Zu gern wollten wir sein wie sie. Einkaufen, im Café sitzen, Getränke bestellen und mit einer der vielen jungen Kellnerinnen plaudern. Aber wie sollte das gehen? Wir standen mittendrin und doch waren wir meilenweit von all dem entfernt. Die Einheimischen gingen shoppen, wir wärmten uns an ihrem Leben.“
Der Schreibstil ist leicht und kurzweilig zu lesen. Das Buch fesselt und als Leser wechselt man hin und her zwischen schmunzeln, Kopf schütteln und Betroffenheit.
„Ich bin wie eine unerwünschte Reklame, die immer wieder in Briefkästen geworfen wird, obwohl überall ganz deutlich Aufkleber angebracht sind. Stopp! Keine Werbung bitte! ...“

Was will man dem noch hinzufügen?

 

Lord und Lady McIntosh vermieten auf ihrem Anwesen in Schottland diverse Cottages an Feriengäste. Das große Anwesen beherbergt auch viele Tiere, unter anderem eine Pfauenherde. Einer der Pfauen spielt plötzlich verrückt und attackiert alles, was blau ist und macht auch vor den Autos der Feriengäste nicht halt.
Als sich eine Bankergruppe zum Teambuilding Training anmeldet und der Pfau sich ebenfalls an dem Auto der Chefin gütlich tut, greift Lord McIntosh zu der einzigen Lösung, die ihm in diesem schottischen Winter am nächsten kommt -er beseitigt den Pfau.
Das alles passiert schon auf den ersten Seiten. Was dieser - dann tote - Pfau allerdings dann ins Rollen bringt, ist wahrhaft filmreif.
Isabel Bogdan ist mit dieser Komödie ein wirklich außergewöhnlicher Roman gelungen, schon auf den ersten Seiten kam ich aus dem Lachen nicht mehr raus. Wundervoll beschreibt sie die wenigen Menschen, die sich in dieser Zeit auf dem Anwesen tummeln, die typische schottische und englische Wesensart, die vornehme Zurückhaltung und Reserviertheit, nur nicht zuviel preisgeben, möglichst wenig Gefühle zeigen und lieber etwas weniger erzählen als zuviel.

Die Flut an Verwicklungen zwischen Mensch und auch Tier, die durch den Pfau entstehen, werden nochmal hervorgehoben durch die indirekte Rede, in der das Buch geschrieben ist. Das alles ist wirklich rund von Anfang bis zum wirklich genialen Ende. Es waren keine Längen in der Geschichte, es passiert ständig etwas anderes und ich hätte auch noch weiterlesen können. Als Zuschauer am Rande alles zu wissen, was andere nur zum Teil bruchstückhaft erfahren in diesem - manchmal schwarzen - Humor, das war einfach nur unbeschreiblich.

 

Als Duncan unter dem Tor der Irving School mit dem Motto „Tritt ein, um Freundschaft zu finden und zu schenken“ hindurch geht, beschäftigen ihn nur 2 Dinge: Welchen „Schatz“ wird er in seinem Zimmer finden? Und die Abschlussarbeit zum Thema Tragödie. Die Tradition der Schule verlangt, dass die letztjährigen Seniors ihren Nachfolgern einen „Schatz“ hinterlassen. Duncans Schatz besteht aus einem Stapel CDs, die sein Vorgänger Tim Macbeth für ihn besprochen hat. Zunächst enttäuscht und widerstrebend hört sich Duncan die erste CD an. Bald schon kann er sich der Faszination der Geschichte von Tim nicht mehr entziehen und wird ins vorige Schuljahr und zu einem tragischen Vorfall aus dieser Zeit zurückversetzt: Tim fällt alleine schon durch sein Aussehen als Albino auf und fühlt sich den Blicken anderer ausgesetzt. Nicht nur dass er mit seinem anfälligen Körper zu kämpfen hat, verfügt er über wenig Selbstvertrauen. Dadurch wird er zum Außenseiter, obwohl er sich nichts mehr wünscht als Anerkennung und Freundschaft. Als er Vanessa kennenlernt und sich in sie verliebt, will er mehr denn je dazu gehören. Doch Vanessa ist mit dem beliebtesten, aber recht oberflächlichen Senior Patrick zusammen. Bald schon setzt Tim mit seiner Verliebtheit Ereignisse in Gang, die er nicht mehr aufhalten kann und er trifft Entscheidungen, deren Tragweite er sich nicht bewusst ist. Duncan lässt sich durch Tims Geschichte von seinem eigenen Leben ablenken, auch wenn immer klarer wird, dass beider Leben durch eine „Katastrophe“ im vorherigen Schuljahr miteinander verknüpft zu sein scheint und Duncan am liebsten nur vergessen würde.

Elizabeth LaBan weiß zu unterhalten. Ihr Jugendbuch hat mich durchgängig gefesselt. Es bietet Humor, Drama, Tragödie und auch etwas fürs Herz. Teilweise versprüht es eine Leichtigkeit, teilweise bietet es aber auch Stoff zum Nachdenken. Eine außerordentlich gelungene Mischung. Ab 14

 

 

Anfangs sind sie zu viert. Vier 18jährige, die in ein altes Haus ziehen und eine Schüler-WG gründen um einen der ihren zu schützen. Frieder hatte versucht sich umzubringen, seine Freunde wollen nun auf ihn aufpassen. Es sind die 80er, die vier stehen kurz vorm Abi und sind auch froh endlich vom Elternhaus wegzukommen. Jeder von ihnen hat so seine ganz eigenen Probleme. Aus den vieren werden schnell sechs Bewohner und es sind gerade die großen Themen wie Klauen, Bundeswehr, Drogen, Suizid, Schwul sein, aber auch Verantwortung für den Nächsten und existenzielle Gedanken über das Leben an sich und wie es weitergehen soll, die die Bewohner des Hauses bewegt. Es geht um das erste Abnabeln von zu Hause, sich Erwachsen fühlen und erwachsen sein, um ein Miteinander, um Liebe und um Freundschaft, um Verantwortung.
Bov Bjerg hat diese kurze Geschichte des Miteinanders aus Sicht eines Erzählers geschrieben. 'Höppner', wie er von den anderen auch genannt wird, ist 18 Jahre alt und dem Autor ist es gelungen, die Gedanken und Gefühle des gerade volljährig gewordenen Mannes authentisch zu schildern.
'Seltsam waren die anderen in der Klasse. Die, für die alles weiterging wie immer. Hätte man sie vor einer Klausur gefragt: 'Wozu lebst du eigentlich?', hätten sie geantwortet: 'Das kommt nicht dran, das müssen wir nicht wissen!'. (S. 88)
Die Auerhaus-Bewohner (übrigens der Name leitet sich ab von einem Nachbarn, der den Song von Madness 'Our house' falsch versteht), versuchen zu leben. Jetzt und hier und mit all seinen Facetten, über die Stränge schlagen, einen Sinn zu finden, einen Weg in die Zukunft zu suchen. Mit reden, feiern, ausprobieren, wie weit man gehen kann.
Das alles spielt sich in den 80er ab und wenn man selber in dieser Zeit groß geworden ist, erkennt man vieles wieder, kommen Erinnerungen zurück.
Bov Bjerg lässt die Geschichte wie in Sequenzen erzählen, wie Schnappschüsse, aneinander gereiht, minimalistisch erzählt, viel Zeit um sich eigene Gedanken zu machen. Dennoch hat die Geschichte eine ungeheure Sogwirkung, wirkt es, als ob sich die Spirale immer schneller dreht, es immer weiter in den Abgrund geht. Man kann kaum aufhören zu lesen und auch das Ende ist realistisch erzählt.

Ein Buch, bei dem man am Ende die Deckel zuschlägt und die Geschichte einen noch weiter beschäftigt. Gelungen. Ungewöhnlich. Nachdenklich. Authentisch.

 

Ausgezeichnet mit dem National Book Award für den besten Roman des Jahres war ich schon sehr gespannt auf 'Das Haus des Windes'. Schon nach den ersten Sätzen wusste ich, dass ich es mit einem besonderen Buch zu tun hatte.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Joe, der von einem Moment auf den anderen erwachsen werden muss. Seine Kindheit findet ein jähes Ende, als seine Mutter brutal vergewaltigt wird. Hervorragend gelingt es Erdrich die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit von Vater und Sohn zu vermitteln, die verzweifelt versuchen, sie ins Leben zurück zu holen. Aber wie soll das Leben nach einer solchen Tat normal weitergehen und wie soll sie jemals wieder die werden, die sie davor war? Wie Wände einreißen, deren Vorhandensein sie zwar sehen und spüren, aber nicht überwinden können? Denn schon auf den ersten Seiten wird deutlich, wie wichtig die Mutter ist und wie sehr der Tagesablauf alleine durch ihr Dasein strukturiert ist.

Frauen ahnen gar nicht, wie wichtig den Männern ihre Gewohnheiten sind. Ihr Kommen und Gehen senkt sich uns in jede Körperfaser, ihre Rhythmen in unser Knochengerüst. Unser Pulsschlag gleicht sich ihrem an, und wie an jedem Wochenende warteten wir darauf, dass meine Mutter uns auf den Abend einstimmte. Und deshalb stand ohne sie die Zeit einfach still.

Doch nicht nur die Bewältigung des Traumas steht im Fokus der Geschichte, sondern auch das Leben im Indianerreservat. Geradezu schockierend ist in dem Zusammenhang, dass es auf Grund des Territoriums des Verbrechens und der Unklarheit, in welchem Gebiet genau dieses geschah, zu einer folgenschweren Entscheidung kam. Einer Entscheidung, die Joe für immer verändern wird.

Erdrich erzählt schnörkellos, eindringlich, erzeugt an manchen Stellen Gänsehaut, ist intensiv, teilweise beklemmend, aber immer gefühlvoll und mit einer großartigen Sprache versehen. Das Ende ist einerseits ganz leise und dann wieder so laut, dass es mich Mitten im Herzen getroffen hat. So sehr, dass ich ein paar Sekunden brauchte, um aus der Buchwelt in meine Welt zurück zu kehren. 'Das Haus des Windes' ist eines dieser Bücher, die noch lange in einem nachhallen.

 

Dieser wunderbare und beeindruckende kurze Roman des irischen Schriftstellers Colm Toibin erzählt die Geschichte Jesu auf eine ganz andere Art, wie wir sie aus den Evangelien kennen, ohne deren Überlieferung zu verfälschen oder die dort berichteten Ereignisse auch nur einen Moment lang anzuzweifeln.

Erzählerin ist die Mutter Jesu, Maria, die viele Jahre nach dem Kreuzestod ihres Sohnes Jesus in Ephesus wohnt, wohin sie nach der Kreuzigung mit Hilfe einiger Jünger geflohen ist.

Seit einiger Zeit bekommt sie regelmäßig Besuch von zwei Männern, deren Auftreten und Verhalten sie als unverschämt empfindet. Sie wollen, indem sie Marias Erinnerung manipulieren, sie in die frühchristliche Legendenbildung um sein Leben und seinen Tod einbinden. Doch sie weigert sich, sich an Ereignisse und Fakten zu erinnern oder sie zu bestätigen, die es gar nicht gegeben hat. Stattdessen erinnert sie sich für sich selbst (und den von dieser Prosa ebenso begeisterten wie erschütterten Leser), wie sie das damalige Geschehen um ihren Sohn erlebt hat.

Als sie einen Hinweis erhält, die Verhaftung ihres Sohnes stehe kurz bevor, reist sie nach Kana, wo sie Jesus bei einer Hochzeit weiß, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen, nach Jerusalem zu gehen, in seinen sicheren Tod. Sie liebt ihren Sohn, hält wohl auch seine Wundertaten für real – sogar die Auferweckung des Lazarus wird ohne kritischen Unterton berichtet – doch das Gerede, er sei der Messias, nimmt sie nicht ernst. Im Gegenteil, je mehr Jesus in seiner Rolle als Prophet und Wundertäter aufgeht, desto fremder wird er ihr. Von der wachsenden Gruppe seiner Anhänger ganz zu schweigen. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie diese in ihrer großen Mehrheit für Spinner und Sektierer hält.

Und als die beiden Besucher gegen Ende des Buches noch einmal kommen, um sie mit ihrem Geschwätz zu quälen, da sagt sie etwas, was dieses Trauma, das sie bis an ihr Ende verfolgen wird, in Worte zusammenfasst:
„Ich war dort. Ich floh, bevor es vorbei war, aber wenn ihr eine Zeugin braucht, dann bin ich eine Zeugin, und wenn ihr sagt, dass er die Welt erlöst hat, dann sage ich, dass es das nicht wert war. Das war es nicht wert.“

 

 

9783649619185

„Mein Bruder ist tot... Er atmet nicht mehr. Das ist meine Schuld. Ich habe das getan.“ Nachdem sie den Notruf abgesetzt hat, schweigt Cecelia hartnäckig. Selbst als sie in Untersuchungshaft auf ihren Prozess wartet. Darauf, dass entschieden wird, ob sie schuld an dem Tod ihres Bruders hat. Sie schweigt lieber, anstatt über das zu reden, was wirklich passierte. Darüber, dass ihr Bruder ein Junkie war und sich einen Dreck darum geschert hat, wem er das Leben versaut. Oder darüber, dass alle die Augen vor der Wahrheit verschlossen haben. Doch nur Cecelia weiß, was wirklich an jenem schicksalhaften Nachmittag passierte...

Nachdem sie ihre Mutter durch Krebs verloren hat muss Cecilia mit ansehen, wie ihr Bruder sein Leben wegwirft und den Drogen verfällt. Ihr Vater verschließt die Augen davor und will einfach nicht wahrhaben, dass sein Sohn sich zu Grunde richtet. Cece ist alleine mit ihren Problemen, darunter die Geldsorgen der Familie die zur Folge haben, dass sie ihr Wunschcollege nicht besuchen kann. Dazu kommt, dass ihr Freund, den sie wirklich liebt, nur mit ihr zusammen ist, weil sie ihm Drogen besorgen kann. Und so sinkt sie immer tiefer in einen Sumpf voller falscher Freunde und Kriminalität.
Erst durch den Tod ihres Bruders und die Therapie erkennt sie langsam, dass man nicht alles alleine ertragen kann, dass man Freunde braucht die einem helfen, das Erlebte und die Schuldgefühle hinter sich zu lassen um neu zu beginnen.

Ein Buch, das fesselt und noch lange nachwirkt.Ab 14

 

 

 

 

Manchmal beginnt man mit der Lektüre eines Romans, nur um festzustellen, dass man dieses oder jenes so oder so ähnlich schon öfter gelesen hat. Irgendwann denkt man sich, dass man sich mit diesem Umstand abfinden muss und stellt geringere Erwartungen an die nächste Lektüre. Möglicherweise kommt das einigen bekannt vor, ähnlich habe ich gedacht, bevor ich mit dem Lesen von „Nachruf auf den Mond“ von Nathan Filer begonnen habe. Doch dieses Buch hat mich überrascht und berührt, hat alle meine Erwartungen übertroffen.


Der Roman handelt von der Geschichte des 19-jährigen Matthew Homes, Patient einer psychiatrischen Klinik in Bristol, welcher aus der Ich-Perspektive seine Vergangenheit schildert, die ihn in die Psychiatrie gebracht hat. Mittelpunkt dieser Erzählung ist Simon, Matthews älter Bruder, der mit 11 Jahren bei einem Unfall während des Campingurlaubs der Familie in Cornwall starb. Auch zehn Jahre später gibt sich Matthew noch die Schuld am Tod seines Bruders, welchen Matthew immer noch hören und sehen kann, wenn er seine Medikamente absetzt… Denn Matthew leidet an Schizophrenie. Matthew richtet sich in seiner Erzählung ganz bewusst (und nicht immer freundlich) an den Leser und offenbart dabei einen großen Teil seiner Psyche („Das ist mein Leben. Ich bin neunzehn Jahre alt, und das Einzige, worüber ich in meinem Leben frei bestimmen kann, ist diese Geschichte und wie ich sie erzähle. Allein schon deswegen will ich es nicht vermasseln. Es wäre nett von Ihnen, wenigstens zu versuchen, mir zu vertrauen.“ S.75).
Der Leser erlebt einen klugen und sensiblen Protagonisten, der durch einen schrecklichen Schicksalsschlag und dessen Nachwirkungen aus dem Gleichgewicht gebracht wurde. Bereits der erste Absatz dieses Romans hat mich für ihn eingenommen, obwohl aus diesem kein unbedingt freundlicher, zugänglicher Mensch hervorgeht. Matthew macht häufig Gebrauch von Ironie, manchmal wird er sogar etwas zynisch, verhält sich ungerecht und dann wieder selbstlos. Häufig wirkt Matthew sehr abgeklärt und scheint Herr seiner Sinne zu sein (im Gegensatz zu den „Spinnern“, wie Matthew sie bezeichnet, in der Psychiatrie). Andererseits zeigt sich zwischenzeitlich immer wieder, wie Matthew durch seine Krankheit den Sinn für die Wirklichkeit verliert. Er ist zwiegespalten in seinen Empfindungen und seinem Verhalten. Das Verfassen seiner Geschichte scheint für Matthew seine ganz eigene Therapie zu sein, welche er mit den Worten „Ich muss aufpassen. Ich muss es sorgfältig auspacken, nach und nach, damit ich es schnell wieder zusammenfalten und einstecken kann, falls es mir zu viel wird.“ (S.19) beginnt und als symbolischen Akt in Form einer Blättersammlung in der Psychiatrie zurücklässt.

Ein großartiges Buch über die Trauer und ihre Auswirkungen auf eine Familie, ungewöhnlich und einzigartig erzählt und von Anfang bis Ende fesselnd. Eine ganz klare Leseempfehlung!